Wie das Buch “Verheiratet mit zwei Männern” entstand - 5.Teil
Write in English, please
Nach einem Tag in der Bibliothek oder, genauer gesagt, im Hoxton des 18. und 19. Jahrhunderts, meldete sich mein Magen deutlich. Ich schlenderte langsam durch das Cambridge des 21. Jahrhunderts auf der Suche nach einem Restaurant.
Schließlich entdeckte ich Jamie’s Italian. Da ich in Jamie Oliver’s Cookery School schon einmal einen wunderbaren Kochkurs belegt hatte, überlegte ich nicht lange und betrat das Restaurant. Ein Kellner führte mich zu meinem Tisch. Ich studierte die Karte und bestellte mein Essen. Dann öffnete ich noch meinen Laptop, um meine Notizen zu überarbeiten, während der Koch sich um mein leibliches Wohl kümmerte.
Als das Essen zu meinem Tisch gebracht wurde, klappte ich meinen Laptop zu und räumte ihn fort. Der Kellner fragte mich, woran ich arbeiten würde. Ich antwortete, dass ich an einem Buch arbeite. Das machte ihn neugierig und er fragte, wovon das Buch handeln würde. Kurz erzählte ich ihm von Jürgen, Morbus und James Parkinson und davon, dass ich in diesen seltenen Büchern hatte lesen dürfen und noch ganz unter dem Eindruck davon stand. Dann aß ich - und ich hatte richtig gewählt.
Meine Schilderung hatte den Kellner beschäftigt und er fragte mich, als er mir mein Dessert brachte, ob ich das Buch denn auf Englisch veröffentlichen würde. Daran hatte ich noch überhaupt nicht gedacht. Ich war so beschäftigt damit gewesen, überhaupt einen Weg zu finden, dieses Buch schreiben zu können, und spürte jetzt immer deutlicher, wie ich es schreiben würde, dass so etwas wie die Wahl der Sprache gar keine Wichtigkeit gehabt hatte.
So antwortete ich ihm, dass ich es auf Deutsch schreiben würde.
Dann könnten er und all die nicht deutschsprachigen Menschen auf dieser Welt das Buch doch gar nicht lesen. Und er würde es doch auch so gerne lesen.
Das gab mir sehr zu denken. Warum eigentlich nicht in beiden Sprachen? Aber Jürgen hatte darauf bestanden, dass ich das Buch selbst veröffentlichen solle. Dann auch selbst übersetzen? Wäre das nicht eine Nummer zu groß für mich? Aber ich liebe die englische Sprache, und es blieb ja genügend Zeit, darüber nachzudenken, denn die deutsche Fassung war noch lange nicht fertig.
Schließlich bat ich um die Rechnung. Zum Abschied schaute mich der Kellner ernst an, nahm meine Hand und sagte:
“Write in English, please.”
Und so kommt es, dass ich mein Buch “Verheiratet mit zwei Männern” sofort nach der Veröffentlichung ins Englische übersetzte. Ich tat das nach bestem Wissen und Gewissen und kann nur darum bitten, dass mir Übersetzungsfehler nachgesehen werden. Und ich freue mich sehr, dass mein Buch “Married With Two Men” auch in britischen Buchhandlungen zu finden ist.
Sophie