Wie das Buch “Verheiratet mit zwei Männern” entstand 4. Teil
Das Denken von James Parkinson
Nachdem ich so viel über James Parkinson gelesen hatte, hielt ich jetzt ein Buch in den Händen, das er selbst geschrieben hatte. Fast andächtig öffnete ich es und begann, die vier langen Briefe zu lesen, in denen James Parkinson vor ungefähr 200 Jahren beschreibt, welche Eigenschaften und Qualifikationen ein junger Mensch mitbringen müsse, um Arzt zu werden. Aber auch die Ansprüche, die er an seine Kollegenschaft stellte, kommen nicht zu kurz. Nichts davon hat an Wichtigkeit verloren.
Ich las von der Bereitschaft zur Selbstaufgabe, von Warmherzigkeit und von der Wichtigkeit alles, absolut alles zu lernen und nichts zu vernachlässigen. Bereits mit 14 oder 15 Jahren, dem Alter, das Parkinson für optimal hielt, um mit der 7-jährigen Ausbildung bei einen Chirurgen und Apotheker zu beginnen, der sich dann ein Jahr Vorlesungen und Praktika in einem Krankenhaus anschloss, sollten zumindest Latein und Griechisch perfekt beherrscht werden. Aber die Französisch- und Deutschkenntnisse sollten mindestens so gut sein, dass die Fachliteratur gelesen werden könne. Auch malen müsse der angehende Arzt können, um selbst das, was er bei Sektionen sah, zeichnen zu können und sich nicht auf die Bilder anderer verlassen zu müssen.
Das Lesen, nicht nur von Fachbüchern, war ihm besonders wichtig. Ein Arzt müsse so viel wie nur möglich wissen über die Welt, die Wissenschaften, die Natur, die Philosophie, die Anatomie. Jegliche Art von Studentenleben oder gar Trinkgelage lehnte er für Studenten der Medizin vollkommen ab. Wer dafür Zeit habe, lerne nicht genug und habe in diesem Beruf nichts zu suchen.
All das war ihm deshalb so wichtig, weil am Ende nicht der Arzt die Folgen seiner Versäumnisse zu tragen habe, sondern der Patient. Niemals dürfe man als Student oder Arzt das Zweifeln und Nachfragen vergessen. Die Medizin müsse genau dafür offen sein.
Ich sah James Parkinson vor mir, wie er an seinem Schreibtisch saß, die Feder ins Tintenfass tauchte und schrieb, während ihm all die Dinge durch den Kopf gingen, die er so oft bei anderen Kollegen und angehenden Kollegen vermisste. Die Dinge, die sein Leben erfüllten seit er sich als kleiner Junge in die Praxis seines Vaters geschlichen hatte, um ihm bei der Arbeit heimlich zuzusehen.
Ich wünschte, dieses Büchlein würde noch heute zu absoluten Pflichtliteratur gehören, nicht nur für angehende Mediziner. Es ist noch mehr. Es ist ein Aufruf zu Menschlichkeit und Hingabe.
Als es an der Zeit war, die Bibliothek zu verlassen, fiel es mir schwer, dieses Buch wieder der Bibliothekarin auszuhändigen. Ich war dankbar und erfüllt, dass ich diese Bücher lesen und diese wunderbare Zeitreise in der Bibliothek erleben durfte. Jetzt endlich wusste ich, wie ich das Buch “Verheiratet mit zwei Männern - meine Ehe mit Jürgen Schwarz und James Parkinson” schreiben würde.
Sophie