Wenn es nicht mehr stimmt
In meiner Arbeit erlebe ich viele Menschen, bei denen äußerlich alles weiterläuft. Die Arbeit funktioniert. Die Beziehungen bestehen. Der Alltag kann bewältigt werden.
Und doch ist da etwas, das sich nicht stimmig anfühlt.
Nicht wie eine Krise. Nicht wie ein Zusammenbruch. Eher wie ein leiser innerer Widerstand gegen das eigene Leben. Es fehlt Übereinstimmung.
Das zeigt sich oft zuerst in der Sprache. Begriffe, die lange verständlich waren, tragen plötzlich nicht mehr. Man erklärt, was man tut, und hört sich selbst dabei zu als spräche man über jemanden anderen.
Viele gehen darüber hinweg. Sie funktionieren weiter, optimieren, halten aus. Schließlich läuft ja alles noch.
Doch das innere Signal bleibt: Es stimmt nicht mehr. Nicht, weil etwas falsch ist, sondern weil etwas zu Ende ist.
Schwierig wird es dort, wo andere beteiligt sind. Denn Übergänge verändern nicht nur einen selbst. Sie verändern Beziehungen.
Wer sich innerlich verändert, wirkt auf andere schnell unberechenbar. Man ist nicht mehr eindeutig. Man ist nicht mehr so verlässlich wie bisher.
Man erfüllt Erwartungen nicht mehr automatisch. Man reagiert anders. Man stellt infrage, was lange Zeit selbstverständlich war und getragen hat.
Nicht jede Beziehung hält das aus. Manche beruhen auf Übereinkünften, die nur so lange gelten, wie man sich selbst nicht verändert. Trennungen entstehen dann selten aus Konflikten, sondern aus Verschiebungen. Aus dem stillen Wissen, dass man sich nicht mehr auf dieselbe Weise begegnet.
Solche Prozesse werden oft missverstanden: Als Egoismus. Als Kälte. Als plötzliche Härte.
Dabei ist es etwas anderes. Es ist der Versuch, sich selbst nicht länger zu verleugnen.
Man verlässt Rollen, Beziehungen oder Konstellationen nicht aus Ablehnung, sondern weil man sich selbst nicht mehr darin findet.
Sophie