Warum meine Arbeit keine Kassenleistung ist

Immer wieder werde ich gefragt, ob meine Arbeit über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden kann. Diese Frage ist sehr verständlich. Viele Menschen sind es gewohnt, medizinische oder therapeutische Unterstützung als Kassenleistung in Anspruch zu nehmen. 

Mir ist es wichtig, diese Frage offen aufzugreifen und transparent zu beantworten - nicht, um jemanden zurückzuweisen. Im Gegenteil. Um Klarheit zu schaffen. Denn Klarheit hilft, Erwartungen einzuordnen und Enttäuschungen zu vermeiden.

Viele Menschen entscheiden sich ganz bewusst für eine Begleitung außerhalb des Kassensystems. Oft, weil sie sich wünschen, was im regulären Versorgungssystem schwer zu finden ist: Zeit. Ruhe. Und einen wirklich individuellen Blick auf ihre Situation.

In meiner Arbeit steht deshalb nicht ein festgelegtes Schema im Vordergrund, sondern der Mensch mit seiner Geschichte, seinen Erfahrungen und seinem eigenen Tempo. Ich nehme mir Zeit für Gespräche, für Zusammenhänge, für das, was es zwischen den Zeilen gibt. Es gibt keine Vorgaben, wie viele Termine “erlaubt” sind, keine engen zeitlichen Taktungen, die von außen bestimmt werden. Der Prozess orientiert sich an dem, was gerade gebraucht wird - nicht an formalen Strukturen.

Als Heilpraktikerin und Coach kann ich meine Leistungen nicht mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen, sondern ausschließlich mit privaten Krankenversicherungen, manchen privaten Zusatzversicherungen oder mit den Menschen selbst. Das ist keine persönliche Entscheidung von mir, sondern eine gesetzliche Rahmenbedingung. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in der Regel nur Leistungen von Vertragsärzten und kassenzugelassenen Psychotherapeuten, auch wenn das System vollkommen überlastet ist.

Viele Menschen, die sich an mich wenden, berichten von sehr langen Wartezeiten im regulären Versorgungssystem. Monate vergehen, manchmal sogar mehr als ein Jahr bis ein Therapieplatz in Aussicht steht. Nicht selten bleiben Anfragen unbeantwortet, telefonisch ist niemand erreichbar, und die Belastung wächst weiter.

Ich erlebe diese Situation als sehr schwer auszuhalten, gerade für Menschen, die ohnehin in einer Krise stecken. Unterstützung wird dann nicht irgendwann gebraucht, sondern jetzt. In solchen Momenten ist es mir wichtig ansprechbar zu sein, zuzuhören und gemeinsam zu schauen, was im Moment helfen kann.

Manche Menschen wünschen sich auf ihrem Weg eine kontinuierliche Begleitung über einen bestimmten Zeitraum. Auf Anfrage ist auch eine individuell abgestimmte Begleitung über einen festgelegten Zeitraum möglich, um die Kosten sehr konkret abschätzen zu können. Was in welcher Form sinnvoll ist, klären wir immer persönlich, offen und in Ruhe.

Diese Form der Begleitung erfordert einen anderen Rahmen. Sie ist persönlicher, freier und sie ist eine bewusste Entscheidung für Eigenverantwortung, für Selbstbestimmung und für einen Weg, der nicht durch formale Vorgaben begrenzt ist. 

Ich weiß, dass finanzielle Fragen eine große Rolle spielen. Deshalb ist es mir wichtig, offen darüber zu sprechen. Wer unsicher ist, kann selbstverständlich nachfragen. Und wer merkt, dass dieser Rahmen im Moment nicht passt, kann das ebenso ehrlich für sich entscheiden ohne schlechtes Gefühl.

Meine Arbeit versteht sich als Angebot an Menschen, die sich Zeit nehmen möchten für sich selbst. Für Klärung. Für Entwicklung. Und für einen Weg, der sich stimmig anfühlt - fachlich wie menschlich.

Gute Begleitung braucht keinen Kassenzettel. Sie braucht Vertrauen, Kompetenz, Zeit und einen geschützten Raum.

Sophie

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