Die Erschöpfung der Starken
Es gibt Menschen, die tragen. Still. Zuverlässig. Jahrelang.
Sie tragen Beziehungen, Familien, Krankheiten anderer, Übergänge, Krisen. Sie organisieren, pflegen, halten aus, gleichen aus. Sie denken mit, fühlen voraus. Sie sind da, wenn niemand sonst da ist. Sie übernehmen Aufgaben, die sonst keiner will. Sie sehen, was notwendig ist - und machen es.
Oft merkt niemand, dass es sie auch gibt.
Dass auch sie Bedürfnisse haben.
Dass auch sie ein Recht haben zu sein.
Dass auch sie sich über Hilfe freuen würden.
Mit der Zeit werden sie als Mensch immer unsichtbarer. Sie haben eine Funktion. Mehr nicht.
Irgendwann kommt kein großer Zusammenbruch. Der würde zu viel Aufsehen erregen.
Es kommt ein leiser Punkt, an dem etwas innerlich sagt: So kann es nicht weitergehen.
Und manchmal kommt auch eine Krankheit, die ein Weitergehen unmöglich macht
Vielleicht gehörst du zu denen, die immer zu viel tragen.
Vielleicht ist es das erste Mal, dass jemand ausspricht, was du dich nicht traust, laut zu sagen: Es ist schwer. Und es ist zu viel.
Vielleicht musst du heute noch nicht loslassen. Aber du darfst es. Vielleicht reicht es, dass du gesehen wirst.
Du bist wichtig. Du darfst sein.
Danke für alles!
Sophie 🌹
Weitere Gedanken zu Tragen, Verlust und Neubeginn finden sich auch in meinem Buch: “Verheiratet mit zwei Männern - meine Ehe mit Jürgen Schwarz und James Parkinson”.