Was tragfähig bleibt
Nach Veränderungen stellt sich meist dieselbe Frage. Nicht laut, aber beharrlich: Worauf kann ich mich jetzt verlassen?
Denn wenn Rollen enden, wenn Gewißheiten sich verschieben, wenn alte Erklärungen nicht mehr greifen, braucht es etwas, das bleibt.
Tragfähig ist selten das, was Sicherheit verspricht. Oder schnelle Orientierung bietet. Tragfähig ist oft etwas Unscheinbares:
Die Fähigkeit, dem eigenen Empfinden zu vertrauen. Auch dann, wenn es lange keinen Namen hatte. Auch dann, wenn es sich zuerst nur als Unruhe gezeigt hat. Auch dann, wenn es ungewohnt ist.
Viele Menschen leben über Jahre mit dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Ohne Erinnerung. Ohne klare Geschichte. Nur mit den Folgen.
Sie passen sich an. Sie erklären sich. Sie funktionieren. Und sie wundern sich, warum das Leben so schwer bleibt.
Wenn dann langsam sichtbar wird, was lange keinen Platz hatte, verändert sich nicht alles auf einmal. Aber etwas Grundlegendes geschieht.
Sie hören auf, sich selbst in Frage zu stellen. Sie beginnen sich selbst und ihrer eigenen Geschichte zu trauen, auch dort, wo sie lange stumm war.
Tragfähig wird dann nicht die Vergangenheit, sondern die Fähigkeit, sich nicht länger von ihr bestimmen zu lassen. Nicht durch Verdrängung, sondern durch Anerkennung.
Was bleibt, ist dann das Wissen darum, dass man sich selbst nicht mehr verlässt. Dass man an sich glaubt. Dass man nicht mehr gegen das Eigene lebt.
Und genau das reicht aus, um tragfähig weiterzugehen.
Sophie