Aufrichtung

Wer lange funktioniert hat, verbindet Veränderung oft mit Anstrengung. Mit Mut. Mit Kraftakten.

Doch das Entscheidende geschieht an einer anderen Stelle.

Nicht dort, wo man sich neu erfindet. Sondern dort, wo man aufhört, sich selbst zu korrigieren, sich selbst einzugrenzen, sich selbst zu begrenzen.

Wenn man nicht mehr jedes innere Zögern übergeht, nicht mehr jede Irritation glättet, nicht mehr versucht, gleichzeitig stimmig und angepasst zu sein.

Was dann entsteht, ist zunächst kein fertiger Weg. Es ist eher eine andere Art zu gehen.

Man trifft Entscheidungen langsamer, aber klarer.

Man sagt weniger Ja und meint es häufiger.

Eine Veränderung setzt ein, nicht unbedingt sofort sichtbar im Außen, sondern in der inneren Haltung.

Man wählt Aufgaben, Beziehungen, Kontexte nicht mehr danach aus, ob sie einen brauchen, sondern ob man sich in ihnen wiederfindet.

Auch Beziehungen klären sich neu. Nicht durch Forderungen, sondern durch Präsenz, durch klares Sein. Manche bleiben - andere lösen sich. Es entsteht immer mehr Wahrhaftigkeit.

Was werden kann, ist kein idealisiertes Leben, kein dauernder Aufbruch, keine Freiheit ohne Bindung.

Was werden kann, ist die Übereinstimmung zwischen dem, was man tut, und dem, was man ist.

Zwischen dem, was man sagt, und dem, was man meint.

Und oft ist das so viel mehr, als man sich lange erlaubt hat.

Sophie

Weiter
Weiter

Sich ernst nehmen