Wie das Buch “Verheiratet mit zwei Männern” entstand - 2. Teil
In meinem letzten Artikel über dieses Buch berichtete ich darüber, wie die Idee dazu entstanden ist. Doch wie ging es weiter?
Trauerarbeit:
Jürgen war fort. Er konnte noch eine einzige Seite zum Buch beitragen, mir den Auftrag geben, es auf jeden Fall allein zu schreiben. Und unser Projekt nicht aufzugeben. Auch sollte ich es selbst veröffentlichen, damit es vollkommen authentisch sei und nicht angepasst an irgendwelche Vorgaben anderer Menschen. Und dann war er fort. Ein Schlaganfall beendete sein Leben als wir gerade die Koffer für eine unserer vielen Reisen packten.
An Schreiben war zunächst gar nicht zu denken. Da war nur Schmerz. Aber da war auch der Auftrag, den er mir erteilt hatte und mein Versprechen, dass ich ihm gegeben hatte. Viele Seiten füllte ich in dem Versuch, unser ursprüngliches Konzept beizubehalten - seinen journalistischen Ansatz und meinen erzählenden Ansatz zu vereinen. Doch wie sollte ich ihn ersetzen? Das ging nicht.
James hilft:
„Failure is not an option“ - das stand auf dem T-Shirt, das ich Jürgen bei unserem Besuch von Cape Canaveral geschenkt hatte, das mir eines Tages wieder in die Hände fiel. Aber wie? Und dann fielen mir Jürgens Worte ein über unsere unterschiedliche Art zu schreiben und ich spürte sehr deutlich, dass ich unseren Ansatz in meinen Ansatz ändern musste. Ich konnte nicht für Jürgen schreiben, aber ich konnte über Jürgen schreiben. Und noch eine Person drängte sich mit Macht in meinen Gedanken - James Parkinson.
Alle sprechen über die Krankheit, die nach ihm benannt ist. Aber wer war dieser Mensch überhaupt? Mit Feuereifer machte ich mich an die Recherche und schon bald kam ich an ein Hindernis. Das Buch, was ich so dringend benötigte, gab es nicht mehr. Das gab es nur noch in der Bibliothek der Universität Cambridge bei den seltenen Büchern.
Ein kurzer E-Mail-Austausch mit den hilfreichen Menschen der Bibliothek und ich machte mich auf nach Cambridge. Es war ein besonderes Gefühl als ich vor den Portalen der Bibliothek stand. Vieles mischte sich. Erinnerungen an Jugendträume, Ehrfurcht vor all dem Wissen, das sich hinter diesen Mauern verbarg, und die Furcht, meinem Projekt nicht gewachsen zu sein. Schließlich trat ich ein, bekam meinen Besucherausweis und ging in den Raum für seltene Bücher, wo ich schon erwartet wurde. Ich nahm an einem der Tische Platz, ein spezielles Kissen wurde vor mich gelegt, und darauf das Buch, für das ich gekommen war.
Und die Welt um mich herum trat zurück. Ich tauchte ein in das London des 18. Jahrhunderts - in die Welt von James Parkinson.
Sophie
Das Buch “Verheiratet mit zwei Männern” ist auf Deutsch und Englisch überall im Buchhandel erhältlich.