Das Große liegt im Kleinen

Zwei kleine rote Türen an einem moosbewachsenen Baumstamm.

Wir leben in einer lauten, bunten, schrillen Zeit. Und manchmal scheint es mir, als würde sie immer lauter, bunter und schriller.

Höher, schneller, weiter. Immer noch ein bisschen mehr. Ein Tanz auf dem Vulkan.

Dabei habe ich als Kind schon eher auf die kleinen Dinge geschaut.

Beim Bergsteigen war da natürlich der Gipfel. Aber auf dem Weg dorthin waren auch die Waldbeeren (oh, so lecker) und Pilze, die großen Waldameisen, die kleinen Blumen am Gletscherrand. Dinge, an denen man achtlos vorbeigehen kann. Ich konnte es nicht. Und daran hat sich bis heute wenig geändert.

Vielleicht hat mich deshalb später die Homöopathie so fasziniert.

Samuel Hahnemann lehrte, genau hinzusehen. Hinter die Fassade zu schauen und das scheinbar unbedeutende Detail in die Betrachtung eines Menschen einzubeziehen. Nicht vorschnell zu entscheiden, was wichtig ist und was nicht.

Diese Haltung begleitet mich bis heute - längst nicht mehr nur in der Homöopathie, sondern ebenso in Therapie und Coaching.

“Ist nicht so wichtig”, sagt jemand und legt einen Gedanken, ein Gefühl schnell beiseite.

Doch.

Gerade bei diesem beiläufigen Satz, in einer kleinen Geste, einem kurzen Zögern oder einem Detail, das zunächst gar nicht zum eigentlichen Thema zu gehören scheint, kann der entscheidende Punkt liegen. Nicht selten ist genau dort etwas zu finden, das eine Therapie oder ein Coaching voranbringt.

Das Kleine verdient Aufmerksamkeit.

Nicht, weil hinter jedem Detail eine große Bedeutung verborgen sein muss. Eine kleine Blume darf einfach eine kleine Blume sein. Eine Waldbeere eine Waldbeere. Und zwei winzige rote Türen an einem Baum dürfen einfach die Frage aufwerfen, wer dort wohl wohnt.

Aber man muss sie erst einmal sehen.

Wie oft sind es solche Kleinigkeiten, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, das mich noch den ganzen Tag begleitet. Ein besonderer Lichtstrahl. Etwas Merkwürdiges am Wegesrand. Ein Satz. Eine Begegnung.

Oder ein sehr kleiner Hund.

Heute beim Laufen stand er plötzlich vor mir. Mitten auf dem Weg. Winzig. Er bellte mich an und wich keinen Schritt zurück. Gegen ihn war ich ein Riese. Aber das schien ihn nicht zu interessieren.

Es war sein Revier und er verteidigte es.

Ich lächelte ihn an und zeigte ihm meinen Respekt.

Respekt, wem Respekt gebührt.

Sophie

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Das war ja ich