Das war ja ich

Ganz genau weiß ich es nicht mehr. War es das 9. oder 10. Schuljahr? Im Englischunterricht standen Gedichte auf dem Plan. Wir hörten und lasen viele Gedichte aus ganz unterschiedlichen Epochen. Es war spannend, es war schön, manchmal auch verstörend

Und dann kam “Auguries of Innocence” von William Blake, einem englischen Dichter und Maler.

In mir wurde es warm - das war ja ich.

Selten hatte ich mich so verstanden gefühlt wie in diesen vier Zeilen. Was so oft als Kleinigkeit oder Nichtigkeit bezeichnet wird, kann von unschätzbarem Wert sein.

Was kann während eines Atemzuges passieren?

Wenn ein Kind vertrauensvoll seine Hand in die meine legt, spüre ich die Unendlichkeit des Seins und des Vertrauens. Wenn ein Käfer auf dem Rücken liegt, drehe ich ihn um. Und wenn sich eine Blume ihren Weg durch den Asphalt erkämpft, halte ich inne.

Vor wenigen Tagen war ich im Planetarium in Bochum. Über meinem Kopf entfaltete sich das Universum. Und plötzlich kehrte sich Blakes Bild um. Je weiter wir uns entfernten, desto kleiner wurde die Erde. Irgendwann war sie selbst nur noch ein Sandkorn. Dann wurde die Sonne zum winzigen Punkt. Und noch weiter draußen verschwand selbst sie.

So gehe ich durch eine Welt voller Wunder.

Auch wenn Menschen zu mir kommen, interessiert mich ihr persönliches Universum. Wir betrachten die Sandkörner, aus denen ihr Leben sich zusammensetzt - und das große Ganze, das daraus entsteht.

Ich halte bei den kleinen Dingen inne und schaue zugleich auf das große Ganze. Von einem Berg. Von einem Strand. In die Weite unserer wundervollen Welt, gebaut aus Atomen, noch kleiner als Sandkörner. Und jedes einzelne ist wichtig.

Das Große liegt im Kleinen.

Sophie

Weiter
Weiter

Website-Renovierung - eine Reise der anderen Art