Wenn der Körper mitredet
Der Körper und die Psyche führen keine getrennten Leben. Sie sind auf das Engste miteinander verbunden. Warum wird dann oft so getan, als könne das nicht sein?
Ein körperliches Symptom ist für mich weder “nur körperlich” noch automatisch “nur psychisch”. Es gehört zunächst zu einem Menschen und zu dessen Leben. Und genau dieses Leben in seiner Gesamtheit interessiert mich.
Immer wieder frage ich Menschen, die wegen psychischer Probleme zu mir kommen, ob sie auch körperliche Beschwerden haben, die damit einhergehen können. Fast immer kommt dieselbe erstaunte Frage: “Woher wissen Sie das?”
Und umgekehrt kommen Menschen wegen körperlicher Symptome zu mir, bei denen ich auch nach möglichen Zusammenhängen frage. Auch dann höre ich häufig: “Woher wissen Sie das?”
Und die Antwort ist gleich - weil Körper und Psyche zusammengehören. Nicht irgendwie oder manchmal, sondern konkret und immer.
Schon in der Antike beschäftigten sich Philosophen mit dem Verhältnis von Körper und Seele. Platon und Aristoteles kamen dabei zu unterschiedlichen Vorstellungen, doch Körper und Seele wurden nicht einfach als zwei voneinander unabhängige Bereiche des menschlichen Lebens betrachtet.
Viele Jahrhunderte später unterschied René Descartes im 17. Jahrhunder mit seinem cartesianischen Dualismus grundlegend zwischen der materiellen und der nicht-stofflichen Welt. Der Körper konnte damit zunehmend als etwas betrachtet werden, das nach eigenen, mechanischen Gesetzmäßigkeiten funktioniert.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert rückte die Wechselwirkung zwischen körperlichen und seelischen Zusammenhängen wieder stärker in den Blick. Sigmund Freud gab dabei dem Unbewussten durch seine Arbeiten und Theorien eine besondere Bedeutung.
Dennoch hält sich die Trennung bis heute in vielen Köpfen. Noch immer werden Krankheiten häufig in rein körperliche und sogenannten psychosomatische Erkrankungen unterteilt, während ein grundsätzlicher Zusammenhang zwischen körperlichen und seelischen Vorgängen oft zu wenig Beachtung findet.
Dabei ist diese Verbindung keine Einbahnstraße. Psychisches Erleben kann sich körperlich bemerkbar machen. Aber genauso beeinflusst das, was in unserem Körper geschieht, unser psychisches Erleben.
Bei meiner Arbeit sehe ich täglich, wie wichtig es ist, nach beidem zu schauen und beides gleichwertig in die Therapie einzubeziehen.
Für mich ist die entscheidende Frage deshalb nicht: Ist das körperlich oder psychisch? Sondern: Was geschieht gerade mit diesem Menschen?
Sophie